Zum 27. Januar 2025 – 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Mahnmal für die ermordeten SInti und Roma in der Gedenkstätte Auschwitz Birkenau

 

Als die Rote Armee heute vor 80 Jahren das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz erreichte, konnte sie nur noch ca. 7500 dort verbliebene Häftlinge befreien. Über eine Million Menschen waren seit der Errichtung des Lagerkomplexes 1940 dort ermordet worden, Zehntausende Häftlinge als Sklavenarbeiter in andere Lager weiter westlich deportiert und über 50.000 noch Mitte Januar 1945 auf Todesmärsche geschickt, die sehr viele von ihnen ebenfalls nicht überlebten. Auschwitz steht als größte Mordstätte des NS-Regimes stellvertretend für dessen ungeheuerliche, beispiellose Mord- und Vernichtungspolitik. Aus diesem Grund ist der 27. Januar seit 1996 offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und seit 2005 internationaler Gedenktag der Vereinten Nationen für die Opfer des Holocaust.

 

Auschwitz steht in besonderem Maße auch für den Völkermord an den Sinti und Roma, den das deutsche NS-Regime in allen von ihm beherrschten europäischen Ländern verübte. Nachdem ein erster Versuch, alle Insassen des sogenannten „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau zu ermorden, an deren Widerstand gescheitert war, wurden diejenigen, die als noch arbeitsfähig galten, in andere Lager verbracht und die ca. 3000 Zurückgebliebenen am 2. August 1944 in die Gaskammern getrieben. Insgesamt fielen dem Holocaust an unserer Minderheit mehrere Hunderttausend Menschen zum Opfer. Es gibt in Deutschland keine Sinti-Familie, die nicht Angehörige durch diesen Völkermord verloren hat.

 

Die antiziganistische Stigmatisierung und Verfolgung begann lange vor 1933, systematisiert von der Polizei und anderen staatlichen Organen seit dem 19. Jahrhundert. Und sie endete nicht 1945. Die traumatisierten Überlebenden, ihre Kinder und Enkel sahen sich vielmehr einer – wie es inzwischen genannt wird – zweiten Verfolgung ausgesetzt. Eine Anerkennung des ihnen angetanen Unrechts fand jahrzehntelang nicht statt. Die Täter wurden nicht belangt, sondern setzten in der Regel ihre Karrieren fort. Den Angehörigen der Minderheit wurde von Staat und Mehrheitsgesellschaft in Form einer Täter-Opfer-Umkehr die Schuld an ihrer Verfolgung zugeschoben, indem ihnen pauschal Kriminalität unterstellt wurde. Den Überlebenden wurden Entschädigungszahlungen für ihre erlittene Verfolgung vielfach verwehrt. Diskriminierung im Bildungs- und Sozialsystem, polizeiliche Sondererfassung, kommunale Vertreibungspolitik und andere Praktiken der Ausgrenzung und Stigmatisierung wurden ungebrochen fortgeführt.

 

Zwar konnte die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma, die sich ab den 1970er Jahren organisierte, seither einige Erfolge erreichen, unter anderem 1982 die erstmalige offizielle Anerkennung des Völkermordes an der Minderheit durch die damalige Bundesregierung. Dem stehen jedoch immer wieder auch Rückschritte gegenüber, vor allem aber ein bis heute fehlendes allgemeines gesellschaftliches Bewusstsein, dass der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma der entsetzliche Höhepunkt einer langen Geschichte des Antiziganismus in Deutschland war, der auch heute auf vielschichtige Weise tief in der Gesellschaft verankert ist und die Lebensrealität von Angehörigen der Minderheit in vielfacher Weise prägt.

 

Ein wichtiger Schritt, an diesem mangelnden Bewusstsein auf politischer und gesellschaftlicher Ebene etwas zu ändern, war die Einberufung der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die 2019 von der Bundesregierung eingesetzt wurde und 2021 einen umfangreichen Bericht mit dem Titel „Perspektivwechsel. Nachholende Gerechtigkeit. Partizipation“ vorlegte.[1] In diesem Bericht sowie 15 Begleitstudien zu unterschiedlichen Einzelthemen werden die Bedeutung und die vielfältigen Auswirkungen des Antiziganismus in Deutschland fundiert und ausführlich beschrieben, und als Ergebnis wird ein konkreter Forderungskatalog an die Politik aufgestellt. Die grundlegenden Ziele werden drei Kategorien zugeordnet (S. 13):

* „Um Antiziganismus beziehungsweise Rassismus gegen Sinti und Roma zu überwinden, bedarf es erstens eines grundlegenden Perspektivenwechsels in der Gesellschaft, der die Relevanz von Antiziganismus anerkennt und die damit zusammenhängenden institutionellen Macht- und Gewaltverhältnisse kritisch reflektiert und zu überwinden trachtet.

* Zum zweiten ist eine Politik der nachholenden Gerechtigkeit erforderlich, die das seit 1945 begangene Unrecht gegenüber Überlebenden und deren Nachkommen ausgleicht.

* Drittens bedarf es einer gezielten Förderung von Partizipation, um Selbstorganisationen bei der Durchsetzung von gesellschaftlicher Teilhabe dauerhaft zu unterstützen.“

 

Als zentrale Forderungen werden im Bericht formuliert und erläutert (S. 14–17):

1. Berufung eines Beauftragten gegen Antiziganismus und Einsetzung eines unabhängigen Beraterkreises;

2. Schaffung einer ständigen Bund-Länder-Kommission (sowie Schaffung von Partizipationsgremien in den Bundesländern);

3. Umfassende Anerkennung des nationalsozialistischen Genozids an Sinti und Roma (insbesondere finanzielle Ausgleiche für bisher ausgebliebene Anerkennung);

4. Einsetzung einer Kommission zur Aufarbeitung des an Sinti und Roma begangenen Unrechts in der Bundesrepublik Deutschland;

5. Anerkennung von geflüchteten Roma als besonders schutzwürdige Gruppe;

6. Umsetzung und Verstetigung von Partizipationsstrukturen (u. a. Vertretung in Gremien, finanzielle Absicherung der Arbeit der Organisationen von Sinti und Roma).

 

Die Forderungen betreffen alle politischen Ebenen: Bund, Länder und Kommunen. Die Maßnahmen zur konkreten Umsetzung lassen bisher zu wünschen übrig, wenn auch inzwischen ein „Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland“ sowie die Bund-Länder-Kommission gegen Antiziganismus eingesetzt wurden.

 

In Hamburg hat der Senat 2024 eine „Gesamtstrategie zur Bekämpfung des Antiziganismus und zur Förderung der gleichberechtigten Teilhabe der Sint:izze und Rom:nja in Hamburg“ beschlossen, über die zurzeit in der Hamburgischen Bürgerschaft beraten wird. Es ist erfreulich, dass sich diese Gesamtstrategie in ihrer Problembeschreibung in weiten Teilen an dem Bericht der „Unabhängigen Kommission Antiziganismus“ orientiert. Dies bedeutet einen Schritt vorwärts. Hinsichtlich praktischer politischer Maßnahmen bleibt jedoch auch in Hamburg vieles zu wünschen übrig, beispielsweise:

* Anders als in vielen anderen Bundesländern gibt es in Hamburg immer noch keinen Staatsvertrag oder eine ähnliche rechtliche Vereinbarung mit den Vertretungen der Sinti und Roma, die die dauerhafte Finanzierung ihrer Arbeit und die Vertretung der Interessen der Minderheit in Gremien, deren Entscheidungen sie betreffen, regeln und sicherstellen. Auch die Gesamtstrategie des Senats beinhaltet eine derartige rechtliche Vereinbarung ausdrücklich nicht.

* In der Gesamtstrategie werden die Bekämpfung des Antiziganismus und die Förderung der Teilhabe von Sinti und Roma zutreffend als „Querschnittsaufgabe“ bezeichnet. Es wird aber nirgendwo präzisiert, wer für diese übergreifende Querschnittsaufgabe zuständig sein soll. Von der Berufung eines Landesbeauftragten gegen Antiziganismus (wie im Bericht der Unabhängigen Kommission gefordert) ist in der Gesamtstrategie keine Rede. Das „Partizipationsgremium“ mit Vertretern der Hamburger Organisationen von Sinti und Roma, das aus den Vorgesprächen für die Erstellung der Gesamtstrategie hervorgegangen ist und weiterhin regelmäßig tagen soll, ist eine Gesprächsrunde ohne Beschlusskompetenzen.

* In der Gesamtstrategie bleibt undeutlich, inwieweit der darin – im Anschluss an den Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus – benannte notwendige Perspektivwechsel in den Behörden sich nicht nur auf die Aufarbeitung historischen Unrechts beziehen soll, sondern auch auf gegenwärtige Handlungsmuster, obwohl insbesondere eine der Begleitstudien zum Kommissionsbericht hier massiven Handlungsbedarf aufgezeigt hat.

* Sehr bedauerlich ist auch, dass bei der Änderung der Präambel der Hamburger Landesverfassung 2023 die Bekämpfung des Antiziganismus nicht, neben der Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus, ausdrücklich als Ziel aufgenommen wurde. In der Forschung zu diesem Thema ist es längst grundlegender Konsens – wie auch im Bericht der Unabhängigen Kommission erläutert wird –, dass Antiziganismus zwar viele Überschneidungen mit Rassismus aufweist, aber ein eigenständiges Phänomen ist, das entsprechend als solches benannt und bewusst gemacht werden muss.

 

Der 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz fällt in eine Zeit, in der rassistische und antiziganistische politische Kräfte leider immer mehr Zuspruch finden und nach den bevorstehenden Wahlen zum Deutschen Bundestag und zur Hamburgischen Bürgerschaft an Stärke gewinnen könnten. Dies ist eine äußerst besorgniserregende Entwicklung. Wo diese Kräfte Einfluss bekommen, könnte nicht nur ein Stopp von Fortschritten drohen, sondern es sind massive Rückschritte zu erwarten. Erfahrungsgemäß bleibt es nicht bei Worten, sondern es gibt Grund zur Befürchtung, dass Gewalt und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma noch weiter zunehmen könnten (wie gegen andere Gruppen, die für rechte Kräfte Feindbilder sind). Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) hat 2023 bundesweit doppelt so viele antiziganistische Vorfälle erfasst wie im Jahr zuvor. Selbst vor der Schändung der Gräber von Sinti auf Friedhöfen wird nicht mehr zurückgeschreckt. Gleichzeitig nehmen Angriffe auf das Gedenken an die NS-Zeit und den Holocaust zu – seien es Reden, in denen mehr „Nationalstolz“ gefordert wird, immer häufigere Beschädigungen in KZ-Gedenkstätten oder dreiste Geschichtslügen wie die Behauptung Alice Weidels, Hitler sei ein Sozialist gewesen. Im Mai 2024 wurde in Flensburg das dortige Denkmal für die deportierten und ermordeten Sinti und Roma von unbekannten Tätern aus dem Boden gerissen, umgestürzt und beschädigt. Die AfD, die im Bundestag bereits massiv gegen den Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus agitiert hat, nimmt nun in der Hamburgischen Bürgerschaft die Gesamtstrategie des Senats zum Anlass für antiziganistische Tiraden. Ihre Abgeordneten versteigen sich z. B. zu Behauptungen wie der, die Ächtung des diffamierenden Z-Wortes sei Orwell’sche „Sprachpolizei“. Aber auch aus anderen Parteien werden z. B. Forderungen nach Abschaffung von Bundesbeauftragten sowie von Meldestellen zur Erfassung rassistischer Äußerungen und Vorfälle laut. Die Diskussionen zur Flüchtlings- und Asylpolitik werden immer schärfer und schüren ein Klima, das auch und gerade Feindseligkeit gegen geflüchtete Roma schürt. Das sind Tendenzen, denen dringend entgegengetreten werden muss – nicht zuletzt als Lehre aus Auschwitz.

 

 

2. August: Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Am 2. August 2024 erinnert tagesschau.de: Rigoletto Weiß hat überlebt. "Rigoletto Weiß war elf Jahre alt, als er in der Schule von den Nazis in das Vernichtungslager Belzec deportiert wurde. Das Kind aus Hamburg überlebte den Vernichtungsterror der Nazis an den Sinti und Roma."

tagesschau

Am 2. August 2024 haben wir gemeinsam mit dem FC St. Pauli, dem Fanladen St. Pauli und der RCU e.V. an die aus Hamburg und Norddeutschland deportierten Sinti und Roma gedacht.

2. August 2024

2. August 2024

Tino Knudsen (Rom und Cinti Union, RCU), Arnold Weiß (Landesverein der Sinti in Hamburg)

2. August 2024

Gedenkveranstaltung anlässlich des europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma

2. August 2024, 18.30 Uhr

Gedenkort Hannoverscher Bahnhof/ Lohseplatz

Grußwort: Rom und Cinti Union e.V.

Arnold Weiß, Landesverein der Sinti in Hamburg e.V.: 80 Jahre danach - antiziganistische Diskriminierung ist immer noch Alltag.

Kranzniederlegung an den Gedenktafeln mit den Namen der Deportierten.

Gedenkveranstaltung 2. August 2024

Romanes - die Sprache der Sinti und Roma. Diskursives Gespräch am 30. Mai 2024

Was fordern/wie fördern/Perspektiven für eine Bildungsarbeit in Hamburg.
Dr. Mareile Krause im Gespräch mit Prof. Dr. Yaron Matras und Diana Sima.
Zeighaus der Stadtteilschule Bergedorf Ladenbeker Weg 13, 21033 Hamburg.
Donnerstag, 30. Mai 2024, 19:00-21:00 Uhr.

Romanes - die Sprache der Sinti und Roma

Zum Gedenken an die Deportierten vom 16. Mai 1940

An der diesjährigen Gedenkveranstaltung nahmen unter anderen auch der Hamburger Polizeivizepräsident, Mirko Streiber und Dr. Miltiadis Zermpoulis vom Institut für Transkulturelle Kompetenz (ITK) teil. Die Polizei Hamburg war damals für die Deportationen der Hamburger Sinti und Roma zuständig und hat gezeigt, dass sie heute die historische Verantwortung dafür tragen will.

 

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Der Vorsitzende des Landesvereins der Sinti in Hamburg wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt

Am 20. März 2024 hat der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma den ersten Vorsitzenden des Landesvereins der Sinti in Hamburg, Arnold Weiß, zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Seit 1999 haben sich die Mitglieder des Landesvereins, die Ältesten und der Vorstand um die Belange der Minderheit in Hamburg bemüht. Mit dieser Wahl erfährt auch die jahrzehntelange hartnäckige Bürgerrechtsarbeit des Landesvereins eine besondere Anerkennung. Der Landesverein dankt seinen Gründern und Gründerinnen und den Ältesten für ihre unermüdliche Arbeit.

© Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Der neue Vorstand.

Zur Erinnerung an die Deportierten vom 11. März 1943

Montag, 11. März 2024, Denkmal Hannoverscher Bahnhof
15 Uhr

Einladung 11.3.2024

Erinnern und Gedenken, mit Beiträgen von Viola Horváthová, Arnold Weiß und Hanno Billerbeck
15.30 Ökumenisches Forum
(Ökumenisches Forum HafenCity e.V., Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg)
Nach der Befreiung war es nicht vorbei!
Die Fortsetzung der Ausgrenzung und Verfolgung nach 1945

Film: Der Fall Eva Justin, Hessenschau 1963, 13 Min.
Tino Knudsen, Arnold Weiß und Jakob Michelsen im Gespräch, Moderation Stephan Linck.

Zur Erinnerung an die Deportierten vom 11. März 1943.
Am 11. März 1943 wurden über 300 Menschen, Sinti aus Hamburg und Norddeutschland, verhaftet
und in einem mehrtägigen Transport direkt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
Nur wenige überlebten.

Perspektivwechsel, nachholende Gerechtigkeit, Partizipation

Der Landesverein der Sinti in Hamburg e.V.

und der Arbeitskreis Antirassismus in ver.di Hamburg laden ein:

 

Perspektivwechsel, nachholende Gerechtigkeit, Partizipation

Notwendige Konsequenzen aus dem Bericht der unabhängigen Kommission „Antiziganismus“

 

13. November 2023, 18 Uhr, Kaffeewelt, Böckmannstr. 3, Hamburg

 

Wir freuen uns sehr,

Dr. Mehmet Daimagüler,

Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland, begrüßen zu dürfen

sowie

Arnold Weiß, Vorsitzender des Landesvereins der Sinti in Hamburg.

Grußwort: Sandra Goldschmidt, Landesbezirksleiterin ver.di Hamburg

Perspektivwechsel – Nachholende Gerechtigkeit – Partizipation. Diese Forderungen an die deutsche Gesellschaft sind die Schlussfolgerungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus und zugleich der Titel ihres aufrüttelnden 800-Seiten-Berichts an den Deutschen Bundestag.

Seit 600 Jahren leben Sinti und Roma hier, meist ausgegrenzt, stigmatisiert und verfolgt. Der traurige Höhepunkt: 500.000 Angehörige der Minderheit fielen europaweit dem Nazi-Terror zum Opfer. Dieser Völkermord wurde in Deutschland über Jahrzehnte geleugnet, die Diskriminierung der Überlebenden und ihrer Nachkommen ging ungebrochen weiter. Erst im Zuge der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma begann die schrittweise Anerkennung der historischen Realität. Allerdings hat sich an der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Ausgrenzung bis heute wenig geändert: die Wenigsten wissen etwas über die lange und leidvolle Geschichte der Minderheit, aktuellen Untersuchungen zufolge möchten 80 Prozent der Befragten keine Sinti oder Roma als Nachbarn haben.

Das soll sich nun ändern. Als ersten wichtigen Schritt zur Umsetzung der Forderungen, die die Unabhängige Kommission erarbeitet hat, wurde Dr. Mehmet Daimagüler von der Bundesregierung zum Beauftragen gegen Antiziganismus berufen. Er wird über die Ergebnisse und aus der Arbeit der Kommission, über seine Arbeit, seine Erfahrungen und die nächsten Schritte im notwendigen Kampf gegen den im Leben der Minderheit allgegenwärtigen Antiziganismus sprechen.

Der Vorsitzende des Landesvereins der Sinti in Hamburg, Arnold Weiß, wird anhand der Erfahrungen der Hamburger Sinti von 1945 bis heute deutlich machen, wie wichtig es ist, dass es auch in Hamburg zu Perspektivwechsel, nachholender Gerechtigkeit und echter Partizipation der Minderheit kommt.

 

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen oder Organisationen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, sexistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

 

 

ver.di Hamburg

Austausch mit der Hamburger SPD Doppelspitze zum Thema Antiziganismus

18. September 2023, Kurt-Schumacher-Haus

Die RCU e.V. und der Landesverein der Sinti in Hamburg e.V. führten ein Gespräch mit Dr. Melanie Leonhard und Nils Weiland sowie der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD Bürgerschaftsfraktion, Ksenja Bekeris, über die Situation der Sinti und Roma in Hamburg. Schwerpunkte des Gesprächs waren: Die aktuell in der Diskussion befindliche Hamburger Strategie gegen Antiziganismus, eine rechtliche Regelung des Verhältnisses der Minderheit zur Stadt Hamburg, die Präambel der Hamburgischen Verfassung.

Zu allen angesprochenen Themen fand ein konstruktiver Austausch statt, getragen von der Versicherung der Politik, dass die Fragen ernsthaft bearbeitet werden. Die Antiziganismus-Strategie der Stadt solle über die Erkenntnisse der Unabhängigen Kommission hinaus auch die besondere Verantwortung Hamburgs für die Lage der Minderheit, insbesondere auch nach dem Ende der NS-Zeit, berücksichtigen und daraus ihre Schlüsse ziehen. Eine rechtliche Regelung werde dem Grunde nach begrüßt, sie solle eine verbindliche Übereinkunft mit Qualität werden. Eine konkrete zeitliche Perspektive konnte nicht genannt werden. Dass der Antiziganismus in der jüngst von der Bürgerschaft beschlossenen, geänderten Präambel zur Hamburgischen Landesverfassung keine Erwähnung gefunden hat, wurde bedauert, eine erneute Änderung scheint im Gespräch zu sein.

RCU e.V., Landesverein der SInti in Hamburg bei der SPD-DoppelspitzeV.l.n.r.: K. Bekeris, M. Terfloth, H. Weiß, A. Weiß, M. Leonhard, R. Kawczynski,
N. Weiland, V. Horvathova.
© RCU e.V. 2023.

Gedenkveranstaltung anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma

Zum Gedenken an die Deportation vom 16. Mai 1940

16. Mai 2023

„Du hast meine Familie ins Lager gebracht!“

„DU HAST MEINE FAMILIE INS LAGER GEBRACHT!“ (GIOVANNA STEINBACH)

Ruth Kellermann war eine „Rassenexpertin“, die an der Erfassung und Begutachtung von Sinti und Roma für die Rassenhygienische Forschungsstelle arbeitete und später auch für Gutachten bei der Entschädigung von Sinti und Roma verantwortlich war.

Zusammen mit der Überlebenden Giovanna Steinbach hat die Rom und Cinti Union e.V. 1985 auf einer Veranstaltung, auf der Kellermann referieren sollte, diese mit Ihrer Vergangenheit und Teilhabe an der Verfolgung und Ermordung von Hamburger Sinti und Roma konfrontiert.

Vorträge und anschließende Podiumsdiskussion mit:

Rudko Kawczynski (Rom und Cinti Union e.V.),
Arnold Weiß (Landesverein der Sinti in Hamburg e.V.) und
Nicole Mettbach (Nachfahrin von NS-Opfer und Ehrenamtliche der RCU e.V.)

Fr 21.04.2023, 15:00 Uhr

Beratungszentrum der Rom und Cinti Union e.V., Am Neumarkt 38 A, 22041 Hamburg

Anmeldung unter: rcu.ev@web.de bis zum 17.04.2023

Erinnern an die Ermordeten - Bis heute zu oft vergessen!

Einladung 11. März 2023

Samstag, 11. März 2023
Denkmal Hannoverscher Bahnhof
(Lohsepark, Hamburg HafenCity)
15 Uhr
Erinnern und Gedenken,
mit Beiträgen von Rudko Kawczynski, Arnold Weiß
und Hanno Billerbeck
15.30 Ökumenisches Forum
(Ökumenisches Forum HafenCity e.V., Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg)
Erinnern an die Ermordeten - Bis heute zu oft vergessen!
Die mangelnde Wahrnehmung des Völkermords
an den Sinti und Roma und der Antiziganismus
Arnold Weiß, Rudko Kawczynski, Moritz Terfloth, Moderation: Stephan Linck

Landesverband Rheinland-Pfalz stellt zusammen mit dem Landesverein der Sinti in Hamburg das Buch "Zwei Welten" vor

11. November 2022

Buchvorstellung

Zwei Welten. Sinti und Roma –
Schritte zur Anerkennung als
NS-Verfolgte und antiziganistische
Kontinuität

Datum: 11. November 2022
Veranstaltungsbeginn: 19.00 Uhr

Veranstaltungsort:
Frank-Loebsches Haus
Kaufhausgasse 9, 76829 Landau

Verband deutscher Sinti & Roma
www.vdsr-rlp.de

Zwei Welten
Zwei Welten

2. August: Gedenkveranstaltung zum Völermord an den Sinti und Roma

GEDENKVERANSTALTUNG
ZUM PORAJMOS
2. August 2022,18.30 Uhr
Gedenkort Hannoverscher Bahnhof / Lohseplatz

Gedenkveranstaltung 2. August

ZWEI WELTEN - Buchpräsentation und Zeitzeugengespräch

Donnerstag, 2. Juni 2022, 18 Uhr

Ort: Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, Hamburg

Buchpräsentation Zwei Welten am 2. Juni 2022

Arnold Weiß / Jakob Michelsen / Moritz Terfloth / Boris Weinrich: Zwei Welten. Sinti und Roma – Schritte zur Anerkennung als NS-Verfolgte und antiziganistische Kontinuität
Herausgegeben vom Landesverein der Sinti in Hamburg e. V.

 „Die Prüfung der Wiedergutmachungsberechtigung der Zigeuner und Zigeuner-Mischlinge […] hat zu dem Ergebnis geführt, daß der genannte Personenkreis überwiegend nicht aus rassischen Gründen, sondern wegen seiner asozialen und kriminellen Haltung verfolgt und inhaftiert worden ist.“
Das Wiedergutmachungsamt von Württemberg-Baden, 1950; siehe S. 145.

„1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten!“
Vermerk einer norddeutschen Wohnungsgenossenschaft, 2019; siehe S. 197.

Die Sinti und Roma, die den Völkermord durch das NS-Regime überlebt hatten, wurden in der Bundesrepublik Deutschland vielfach nicht als Verfolgte anerkannt, sondern waren weiterhin staatlicher und gesellschaftlicher Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt. Antiziganismus war und ist in Deutschland Normalität, auch in Hamburg. Als Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Minderheit nach 1945 hat die Landeszentrale für politische Bildung in den letzten zwei Jahren das Forschungs- und Publikationsprojekt „Zwei Welten“ des Landesvereins der Sinti in Hamburg gefördert.

Das daraus entstandene Buch ist der Versuch einer Gegenüberstellung. Einerseits sollen die Fortschritte in der gesellschaftlichen Anerkennung der Sinti und Roma als NS-Verfolgte in den letzten Jahrzehnten gezeigt werden. Dem gegenüber steht die andauernde und systematische Ausgrenzung und Beforschung der Minderheit über 1945 hinaus. Für diese Kontinuität steht beispielhaft der Landauer Amtsarzt und Professor Hermann Arnold (1912–2005). Er trat das geistige Erbe von Robert Ritters Rassenhygienischer Forschungsstelle an, deren Mitarbeiter:innen während der NS-Zeit, unter anderem in Hamburg, Sinti und Roma beforscht und gequält haben und deren Forschungen die Grundlage für die anschließend erfolgten Deportationen bildeten. Arnold galt jahrzehntelang in der Bundesrepublik als maßgebender „Zigeunerexperte“ und führte die systematische Erfassung und rassistische Kategorisierung der Sinti und Roma weiter.

Das Buch zeigt anhand ausgewählter Dokumente aus Arnolds Nachlass im Bundesarchiv seine Netzwerke und die Kontinuität der NS-„Zigeunerforschung“ in der Bundesrepublik auf.

Auf der Veranstaltung berichten die Autoren über die Entstehung des Buchs und stellen einzelne Abschnitte vor. Als Zeitzeuge spricht Jacques Delfeld, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz, über seine Erfahrungen mit Hermann Arnold und den Antiziganismus seit den 1970er Jahren.

Moderation: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann

Gedenken zum 16 Mai

Gedenken 16. Mai 2022

4o Jahre Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg begeht dieses Jahr sein 40. Jubiläum. Als Mitgliedsverband gratuliert der Landesverein der Sinti in Hamburg ganz herzlich.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bittet anlässlich des Jahrestages um Verzeihung.

Der Bundespräsident

 

Bundeskanzler Olaf Scholz sendet eine Grußbotschaft an den Zentralrat.

 

Zwei Welten

Im März 2022 ist unser Buch
Zwei Welten. Sinti und Roma – Schritte zur Anerkennung als NS-Verfolgte und antiziganistische Kontinuität. Herausgegeben vom Landesverein der Sinti in Hamburg e. V.
(ISBN 978-3-86331-639-6, 24,00 €)
im Metropol Verlag erschienen.

Das Projekt wurde seit 2017 von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg unterstützt.


Am 2. Juni 2022 stellen wir das Buch zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg im Rahmen einer Gesprächsveranstaltung vor. Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.

Zwei Welten

Gedenkveranstaltung zum 11. März 1943

Am 11. März 1943 wurden über 300 Menschen, Sinti aus Hamburg und Norddeutschland, verhaftet und in einem mehrtägigen Transport direkt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
Nur wenige überlebten.

Freitag, 11. März 2022, 16 Uhr
Denkmal Hannoverscher Bahnhof
(Lohsepark, Hamburg HafenCity)
Erinnern und Gedenken, mit Beiträgen von Rudko Kawczynski, Arnold Weiß und Hanno Billerbeck, Moderation: Viola Horváthová
17 Uhr Hauptkirche St. Katharinen (Katharinenkirchhof 1, 20457 Hamburg)
Ankommen und Austausch bei Heißgetränken
17:30 Uhr
Die Fortschritte bei der Anerkennung von Sinti und Roma als Opfer der NS-Zeit und die fortgesetzte systematische Erfassung der Minderheit: Arnold Weiß, Rudko Kawczynski, Moritz Terfloth, Moderation: Stephan Linck.

Gedenkveranstaltung zum 2. August 1944

Montag, 2. August 2021, 18 Uhr, Gedenkort Hannoverscher Bahnhof / Lohseplatz / Hafencity
* Grußwort: Arnold Weiß, Landesverein der Sinti in Hamburg e.V.
* Kurzvortrag "Die ersten Deportationen aus Hamburg am 16. Mai 1940. Aufstand in Auschwitz-Birkenau Lagerabschnitt B II e am 16. Mai 1944, Der Hintergrund zum 2. August 1944."
* Kurzvortrag "Hannoverscher Bahnhof - Entwicklung des Gedenkortes"
Kranzniederlegung an den Gedenktafeln mit den Namen der Deportierten

Esther Bejarano – 15. Dezember 1924–10. Juli 2021

Wir nehmen Abschied von einer Freundin, Unterstützerin und unermüdlichen Mahnerin gegen alten und neuen Faschismus, gegen Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus. Sie war Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück und erhob bis zuletzt ihre Stimme unter anderem auch als Ehrenvorsitzende der VVN-BdA. Als Mitgründerin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland hat sie stets betont: „Wir sind das Komitee aller Opfer von Auschwitz!“ und sich mit dafür eingesetzt, die Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma hör- und sichtbar zu machen.

Bis zuletzt stritt sie mit uns gemeinsam gegen die Zumutung, über dem Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof die NS-belastete Firma Wintershall Dea einziehen zu lassen – siehe unsere gemeinsame Erklärung vom 22.6.2021 und ihr Beitrag zum Gedenkort Hannoverscher Bahnhof beim NDR.

Esther Bejarano wird uns fehlen! Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie.

Esther Bejarano

 

Gemeinsame Erklärung zum Verfahren um das Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof - Auschwitz-Komitee in der BRD, Rom und Cinti Union Hamburg, Landesverein der Sinti in Hamburg

Hamburg hat ein Problem.

In Hamburg entsteht ein Dokumentationszentrum zur Erinnerung an die Deportationen von Sinti und Roma und Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit. Die Stadt hat sich entschlossen, diesen Erinnerungsort in einem von privaten Investoren errichteten und betriebenen Bürohaus unterzubringen. Nach den Erfahrungen und Auseinandersetzungen um das Stadthaus, die ehemalige Gestapo -Zentrale, hat Hamburg im Jahre 2017 mit dem privaten Investor einen Dauernutzungsvertrag abgeschlossen, der im § 14, 1 eine Nutzungsbeschränkung für den Vermieter festschreibt:

„Der Eigentümer verpflichtet sich, das Gebäude nicht selbst oder durch Dritte in einer Weise zu nutzen oder nutzen zu lassen, die in der öffentlichen Wahrnehmung und insbesondere in der Wahrnehmung der Opfer des Nationalsozialismus und ihrer Interessenorganisationen (…) (1) im Konflikt mit dem Zweck des Dokumentationszentrums (…) steht oder (2) der Ausstrahlung eines Gedenkorts abträglich ist.“

Im Januar 2021 wurde bekannt, dass in das Gebäude des zukünftigen Dokumentationszentrums Hannoverscher Bahnhof die Firma Wintershall Dea einziehen will. Die Kulturbehörde hat dazu die Verbände der Verfolgten und Ermordeten im Februar 2021 befragt. Einhellig wurde festgestellt, dass eine Vermietung an Wintershall Dea nicht mit dem Nutzungsvertrag des Gebäudes für das Dokumentationszentrum vereinbar ist und der vermietende Investor gegen die Vereinbarung verstoßen hat. Wir erwarten, dass die Hansestadt Hamburg und ihre Vertragspartner geschlossene Verträge einhalten.

Im Konfliktfall ist im Dauernutzungsvertrag ein Schiedsverfahren vorgesehen. Kulturbehörde und Investor haben stattdessen ein Mediationsverfahren initiiert, an dem sich auch die Verbände beteiligen sollen, obwohl sie keine Vertragsparteien sind. Lösungsvorschläge, die verhindern, dass das Dokumentationszentrum durch eine nicht vereinbarte Nutzung des darüber befindlichen Gebäudes Schaden nimmt, wurden nicht gemacht.

Die Firma Wintershall ist nicht geeignet für eine Hausgemeinschaft mit uns: Die Firma hat die Nationalsozialisten schon vor 1933 unterstützt, profitierte von der "Arisierung", von der Aufrüstung und Ausplünderung der okkupierten Länder und der Ausbeutung von Zwangsarbeiter*innen. Heute gehört sie zu 67 % der BASF, einem Nachfolgekonzern der IG Farben AG, die das erste firmeneigene KZ Auschwitz-Monowitz errichtet – und das tödliche Gas Zyklon B in die Vernichtungslager geliefert hat.

Esther Bejarano, Überlebende der KZ Auschwitz und Ravensbrück, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD e. V., sagt: "Das ist eine Zumutung für die Überlebenden und ihre Angehörigen und eine Missachtung der Millionen Ermordeten: Kein Gedenkort unter einem Dach mit einem Konzern mit dieser NS-Vergangenheit! Wir können und werden uns nicht damit abfinden!"

Arnold Weiß, erster Vorsitzender des Landesvereins der Sinti in Hamburg e. V., erklärt dazu: Es ist unsere moralische Pflicht, für die verfolgten Menschen, die nicht mehr unter uns weilen, zu sprechen. Eine Firma, die für Mord und Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft steht, darf nicht Platz finden über einem Dokumentationszentrum. Unserer Ansicht nach verjährt Mord nicht!“

Die Aufgabe der Verbände der Verfolgten der NS-Zeit besteht darin, für ein würdiges Gedenken an die Ermordeten und eine umfassende Aufklärung über die Verbrechen zu streiten. Es ist nicht Aufgabe der Verbände, sich an privatrechtlichen Auseinandersetzungen über Vertragsinhalte zwischen Hamburg und privaten Investoren zu beteiligen. Aber wir erwarten die Einhaltung der Verträge seitens der Vertragsparteien sowohl vom vermietenden Investor als auch von der Freien und Hansestadt Hamburg.

Nachtrag aus aktuellem Anlass: Wir haben sehr kurzfristig davon erfahren, dass bei den damaligen Vertragsverhandlungen ein Passus, der die jetzige Situation hätte verhindern können, von der Stadt bewusst aus dem Vertrag genommen und durch den jetzigen Text ersetzt wurde. Die RCU e.V., die Jüdische Gemeinde Hamburg, die Liberale Jüdische Gemeinde und die Stolperstein -Biographie-Gruppe haben sich inzwischen ebenfalls aus der Mediation zurück gezogen.

Auschwitz-Komitee in der BRD e. V., RCU e. V., Landesverein der Sinti in Hamburg e. V.

22. Juni 2021

 

 

Stilles Gedenken am 16. Mai 2021

Stilles Gedenken am 16. Mai 2021, Bild: Arnold Weiß

Wie schon im vergangenen Jahr konnte das diesjährige Gedenken an die Deportation zahlreicher Hamburger Sinti und Roma am 16. Mai 1940 vom Hannoverschen Bahnhof aus Corona-bedingt nur in kleinem Kreis stattfinden. Obwohl die Veranstaltung nicht beworben wurde, fanden sich ca. 30 Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen am Gedenkort Hannoverscher Bahnhof ein, die sich mit uns gemeinsam an die Deportierten erinnerten. Neben der Rom und Cinti Union (RCU) und dem Landesverein der Sinti in Hamburg e. V. legten die Kirchliche Gedenkstättenarbeit Neuengamme und das Auschwitz-Komitee Kränze nieder. Anschließend fand eine Schweigeminute statt. Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr das Programm wieder umfangreicher in würdigem Rahmen gestalten können.

Donnerstag, 11. März 2021 Denkmal Hannoverscher Bahnhof: Zur Erinnerung an die Deportation vom 11. März 1943

 

11. März 2021, Denkmal Hannoverscher Bahnhof (Lohsepark, Hamburg HafenCity)
15 bis 16 Uhr
Erinnern und stilles Gedenken, bringen Sie gerne eine Blume mit.

Die Ansprache des 1. Vorsitzenden, Arnold Weiß, zum Gedenktag können Sie hier als PDF herunterladen

Am 11. März 1943 wurden über 300 Menschen, Sinti aus Hamburg und Norddeutschland, verhaftet und in einem mehrtägigen Transport direkt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
Nur wenige überlebten.

Damit wir alle gesund bleiben:
Bitte halten Sie Abstand und bilden Sie keine größeren Gruppen. Vielen Dank!

EInladung 11. März 2021, Gedenken Hannoverscher Bahnhof

Eine Veranstaltung von:
Landesverein der Sinti in Hamburg e.V., Rom und Cinti Union e.V., Verband Deutscher Sinti und Roma e.V., Landesverband Schleswig-Holstein, Evangelische Akademie in der Nordkirche, Kirchliche Gedenkstättenarbeit an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

 

 

Februar 2021: Landesverein der Sinti entsetzt über Mieter Wintershall Dea im künftigen Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof

Die Einweihung des Gedenkorts Hannoverscher Bahnhof war für die Hamburger Sinti und bundesweit ein wichtiges Ereignis: Erstmals wird in einer angemessenen und würdigen Weise an alle in den Tod Deportierten gleichermaßen erinnert. Alle werden mit ihrem Namen genannt, niemand soll vergessen werden.

Als Landesverein der Sinti in Hamburg haben wir uns intensiv in die Diskussionen um die Gestaltung des Ortes eingebracht. Mit dem gleichen Engagement beteiligen wir uns an der Planung des Dokumentationszentrums.

Nun mussten wir aus der Presse erfahren, dass die Hafencity GmbH die Räume über dem Dokumentationszentrum an die Firma Wintershall Dea vermietet hat. Das spricht dem Sinn und Zweck des Gedenkorts und des Lern- und Ausstellungsorts Hohn:

Wintershall und August Rosterg, der das Unternehmen während der NS-Herrschaft führte, waren eng mit dem Nazi-Regime verwoben.

Bereits im Februar 1931 nahm Rosterg an einem Geheimtreffen mit Adolf Hitler im Berliner Hotel Kaiserhof teil. Bald darauf wurde er zusammen mit anderen Industriellen Teil des sogenannten „Keppler-Kreises“, einer Gruppe um den Hitler-Vertrauten Wilhelm Keppler, die das Regime insbesondere durch großzügige Spenden unterstützte. Der Betrieb war entsprechend der NS-Volksgemeinschafts-Ideologie organisiert. Ab 1936 wurde er aufgrund enger Zusammenarbeit mit der Wehrmacht als Rüstungsbetrieb eingestuft.

Unter deutscher Besatzung expandierte Wintershall nach Österreich, Polen, Ungarn und in die Ukraine. Zugleich profitierte der Konzern von der Beschäftigung von knapp 10.000 Zwangsarbeiter:innen. Dabei war es gängige Praxis, dass Zwangsarbeiter:innen vom Werksschutz an der Baracke abgeholt und auch wieder dorthin zurückgebracht wurden. War kein staatlicher Aufseher für die Nachtwache in der Baracke vor Ort, übernahm der Werksschutz auch diese (eigentlich staatliche) Aufgabe.

Dass Wintershall 2019 eine Studie zu „Wintershall im Nationalsozialismus“ veröffentlicht hat, ist kein Ausweis für gute Nachbarschaft zum Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof. An dem Unternehmen Wintershall Dea ist die BASF, ehemals IG Farben, mit 67 % beteiligt, vor der Fusion mit Dea hielt sie 100 % an Wintershall.

Am 27. Januar wurde aus Anlass der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 an die Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Wir meinen, dass Erinnern auch eine Verpflichtung für die Gegenwart beinhaltet, und fordern die Hafencity GmbH auf, diese Zumutung für Überlebende und Nachkommen zu korrigieren.
8. Februar 2021

In Corona-Zeiten

Aufgrund der aktuell Situation musste das Konzert am 13. März abgesagt werden.
Wir werden das Konzert so bald wie möglich nacholen.

Das Gedenken an die Deportation vom 16. Mai fand in kleinstem Kreis statt - siehe unten.

Über weitere eventuelle Terminverschiebungen werden wir hier informieren.

Bleiben Sie gesund!

Gedenkort Hannoverscher Bahnhof: Gedenken an die Deportierten vom 16. Mai 1940.

Foto: Kati Jurischka Fotografie, 2020
Fotos: Kati Jurischka Fotografie, 2020

Am 16. Mai 1940 wurden die meisten Hamburger Sinti verhaftet, nachdem ihre Kinder zuvor aus der Schule abgeholt und für vier Tage in den Fruchtschuppen C im Hafen gepfercht worden waren. Am 20. Mai verließ der erste Deportations-zug Hamburg vom Hannoverschen Bahnhof aus, für die Mehrzahl der Deportierten wurde es eine Reise in den Tod.

80 Jahre danach erinnerte der Landes-verein – mit den durch die Corona-Pandemie notwendigen Beschränkungen – gemeinsam mit Bündnispartner*innen und Freund*innen an die Deportierten und ihr Leid.

Wie lebendig der Antiziganismus ist, wurde noch einmal deutlich, als nur wenige Tage zuvor der Stolperstein für den 1944 im Außenlager Wittenberberge des KZ Neuengamme ermordeten Boxer Johann "Rukeli" Trollmann mit SS-Runen beschmiert wurde (Meldung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma vom 14. Mai 2020).

Foto: Kati Jurischka Fotografie, 2020

 

Sinti und Roma Geschichts- und Kulturtage 2020

Aufgrund der aktuell Situation der Ausbreitung des neuen Corona-Virus muss das Konzert abgesagt werden. Wir werden das Konzert so bald wie möglich nacholen. Bleiben Sie gesund!

Nach 10 erfolgreichen ElbinselGipsyFestivals in Kooperation mit dem Bürgerhaus Wilhelmsburg möchte der Landesverein der Sinti in Hamburg einen Schritt weiter in Richtung Stadtzentrum vordringen.

Deshalb wollen wir 2020 mit einem neuen Format beginnen:  den Sinti Geschichts- und Kulturtagen.

Sie sollen deutlich machen, dass die Geschichte unserer Minderheit zugleich ein integraler Bestandteil der deutschen Geschichte ist, so wie auch die Musik der Sinti und Roma Teil der europäischen Musikkultur – und die Musik der deutschen Sinti Teil der deutschen Musikkultur ist.

Einladung Geschichts- und Kulturtage 2020Einladung Sinti und Roma Geschichts-
und Kulturtage 2020 als PDF

Einladung zum Gedenken an die am 16. Mai 1940 deportierten Roma und Sinti

Am 16. Mai 2019 begehen wir den alljährlichen Gedenktag für die von den Nationalsozialisten aus Hamburg und Umgebung in Konzentrationslager deportierten Sinti und Roma.

An diesem Tag, der das Leben von Generationen von Sinti und Roma einschneidend geprägt hat, möchten wir am Gedenkort Hannoverscher Bahnhof zusammen mit Ihnen und den Hinterbliebenen an die erinnern, die von diesem Bahnsteig deportiert wurden und ihrem Schicksal nicht entkommen konnten.

Aus diesem Anlass laden der Landesverein der Sinti in Hamburg und die Rom und Cinti Union e.V. gemeinsam ein, der Deportierten und Opfer mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute zu gedenken:
Mittwoch, 16.05.2019, 14.30 Uhr, Gedenkort Hannoverscher Bahnhof, Lohsepark in der HafenCity

Aus Trauer und Respekt findet dieses Jahr kein Elbinsel-Gipsy-Festival statt

2018 hat der Landesverein der Sinti in Hamburg durch lange Krankheit und Tod eine wichtige Säule seiner Arbeit verloren. Dadurch ist es notwendig geworden, neue organisatorische Grundlagen zu schaffen. Deshalb und aus Respekt vor der Verstorbenen wird in diesem Jahr kein Elbinsel-Gipsy-Festival stattfinden.

Zur Erinnerung an die Deportation vom März 1943

Gedenken Deportation März 1943

 

Am 11. März 1943 wurden über 300 Menschen, die letzten noch in Hamburg und Norddeutschland verbliebenen sesshaften Sinti, verhaftet und in einem mehrtägigen Transport direkt in das Vernichtungslager Auschwitz Birkenau deportiert. Nur wenige überlebten.

Zur Erinnerung an die Deportation vom 11. März 1943, Gedenkveranstaltung am Montag, 11. März 2019, 15.30 Uhr Gedenkworte und Kranzniederlegung am Denkmal Hannoverscher Bahnhof.

Anschließend: Matthäuß Weiß und Arnold Weiß im Gespräch über die Auswirkungen des nationalsozialistischen Völkermordes auf die Nachkriegsgenerationen der Sinti.

Arnold Weiß und Matthäuß Weiß gedenken den Deportierten

Matthäuß Weiß und Arnold Weiß gedenken der Deportierten am Mahnmal Hannoverscher Bahnhof,
11. März 2019, © Landesverein der Sinti in Hamburg e.V. 2019.

Gedenken an die Deportierten

Zum Gedenken an die Deportierten vom Hannoverschen Bahnhof vom 16. Mai 1940 findet am

Mittwoch, 16. Mai 2018 um 15 Uhr

am Gedenkort Hannoverscher Bahnhof eine Kranzniederlegung in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Schleswig-Holstein und der RCU e.V. statt.

10. Elbinsel Gipsy-Festival, April 2018

10. Elbinsel-Gipsy-Festival

© Scarlett 2018.

Vom 13. bis 14. April 2018 fand das 10. Elbinsel-Gipsy-Festival des Landesvereins der Sinti in Hamburg im Bürgerhaus Wilhelmsburg statt.

Der Sozialwissenschaftler Peter Widmann stellte in einem Fachvortrag unter dem Titel "an den Rändern der Städte" die Ausgrenzung von Sinti durch deutsche Kommunen dar.

Cornelia Kerth und Peter Widmann zum Thema

Cornelia Kerth und Peter Widmann zum Thema "an den Rändern der Städte"
© M. Terfloth 2018.
 

Zum zehnjährigen Jubiläum des Elbinsel-Gipsy-Festivals konnten wir unter anderem mit Johnny Rosenberg und der Sandro Roy Group international bekannte Musiker gewinnen.

Marcel Weiß, Arnold Weiß, Johnny Rosenberg, © Scarlett 2018.

Marcel Weiß, Arnold Weiß, Johnny Rosenberg, © Scarlett 2018.

Sandro Roy, Johnny Rosenberg, © Scarlett 2018.

Marcel Weiß, Arnold Weiß, Johnny Rosenberg, © Scarlett 2018.

Einweihung der Namenstafeln der Deportierten vom Hannoverschen Bahnhof am 10. Mai 2017

Am 10. Mai 2017 wurden - 77 Jahre nach der ersten Deportation von Sinti und Roma aus Hamburg am 16. Mai 1940 - am ehemaligen Deportationsbahnsteig im heutigen Lohsepark in der Hamburger Hafencity 20 Tafeln mit über 8.000 Namen von deportierten Sinti, Roma und Juden eingeweiht. Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, legte gemeinsam mit Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma einen Kranz nieder.

Rigoletto Weiß, Gottfried Weiß und Romani Rose
Rigoletto Weiß und Gottfried Weiß, Überlebende der Deportation und Mitglieder des Ältestenrats des Landesvereins der Sinti in Hamburg e.V. zusammen mit Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.
Foto: Ralf Lorenzen 2017.
Gedenkveranstaltung am 10. Mai 2017
Romani Rose und Arnold Weiß, 1. Vorsitzender des Landesvereins der Sinti in Hamburg e.V., bei der Gedenkveranstaltung am 10. Mai 2017.
Foto: Ralf Lorenzen 2017.

Bericht im Hamburger Abendblatt

9. Elbinsel Gipsy-Festival, April 2017

Vom 7. bis 8. April 2017 fand das 9. Elbinsel-Gipsy-Festival des Landesvereins der Sinti in Hamburg im Bürgerhaus Wilhelmsburg statt (Flyer 2017).

Sandro Roy Elbinsel Gipsy Festival 2017

Sandro Roy Elbinsel Gipsy Festival 2017Der Geiger Sandro Roy mit Hugo Richter am Akkordeon.
Fotos: Landesverein der Sinti in Hamburg e.V., 2017.

Falko Droßmann und Arnold Weiß

Arnold Weiß und Falko Droßmann

Der Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Falko Droßmann, bei der Eröffnung des Festivals zusammen mit dem 1. Vorsitzenden des Landesvereins der Sinti in Hamburg e.V., Arnold Weiß.
Fotos: Landesverein der Sinti in Hamburg e.V., 2017.

 

Nachrichten- und Terminübersicht

Ohh Porajmos ...

Am 23. September 2015 wurde die Ausstellung "Ohh Porajmos ... Illustrationen zur Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma" in der Gewerblichen Schule G3 eröffnet.

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