Zwei Welten

Seit 2017 arbeiten wir mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg an dem Projekt "Zwei Welten". Die bisherigen Ergebnisse sind hier als Onlineveröffentlichung [im PDF-Format] zum Download zusammengestellt.

Zwei Welten Onlineveröffentlichung

Weiß, Arnold / Weinrich, Boris / Terfloth, Moritz / Michelsen, Jakob:
Zwei Welten. Die Fortschritte bei der Anerkennung von Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus und die fortgesetzte systematische Erfassung der Minderheit. Herausgegeben von Arnold Weiß im Auftrag des Landesvereins der Sinti in Hamburg e. V. © Landesverein der Sinti in Hamburg e. V. 2019.


Vorwort
Der Landesverein der Sinti in Hamburg e. V. befasst sich im Rahmen seiner Aufgaben als Interessenvertretung auch mit der Aufarbeitung der Geschichte der Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung der Sinti. Im Rahmen der Recherchen
zur Geschichte der Hamburger Sinti ist Arnold Weiß auf umfangreiches Material zur „Tsiganologie“ des Arztes Hermann Arnold gestoßen. Es besteht eine Verbindung zwischen Arnold und Robert Ritters Rassenhygienischer Forschungsstelle, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter anderem Sinti in Hamburg beforscht und gequält haben und deren Forschungen die Grundlage für die anschließend erfolgten Deportationen bildeten.
Hermann Arnold hat dann nach 1945 als Amts- und Gefängnisarzt die systematische Erfassung und rassistische Kategorisierung der Sinti unter dem wissenschaftlichen Dach der so genannten „Tsiganologie“ im Rahmen zahlreicher Veröffentlichungen fortgesetzt. Arnold wurde als Gutachter von Gerichten, kommunalen, Landes- und Bundesbehörden
herangezogen und hat mit seiner Arbeit, die von ihm bis 2005 fortgesetzt wurde, das genetisch-rassistisch begründete Zerrbild von den der Bevölkerungsgruppe der Sinti zugeschriebenen negativen Eigenschaften bis heute nachhaltig geprägt.

Im Verlaufe vieler Informationsveranstaltungen hat der Landesverein in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung gemacht, dass eine Konfrontation des Publikums mit Kontinuitäten rassistischer Einstellungen gegenüber Sinti – insbesondere auch im Bereich von Staat und Verwaltung – über 1945 hinaus in Diskussionen häufig abgewehrt und schwer akzeptiert wird. Immer wieder werden die Befunde zum Andauern rassistischer Einstellungen gegenüber Sinti beispielsweise bei der Polizei, in Schulen oder in Sozialdienststellen negiert, indem auf die Erfolge der letzten Jahre in der Erinnerungskultur zum Holocaust an den Sinti verwiesen wird. Zwei Welten Onlineveröffentlichung